Das bin Ich!

Eine Fahrradtour von Rostock zum nördlichsten Ende von Europa. Und dann auch noch zurück?

Bist du irre? – Jep! Ein wenig bin ich das vielleicht schon…

Ein typisches Gespräch, wenn ich von meiner nahen Zukunft rede. Aber ist es irre oder gar verwerflich seinen Traum zu verwirklichen?

 

Ich bin aufgewachsen in einer Seglerfamilie, von klein auf alleine auf einem Boot, gewohnt auf der Ostsee mein eigenes Ding zu drehen, Richter und Henker über sein eigenes Schicksal. Und als der Marathon im Rudern und Radfahren mir die wichtigste Erfahrung geschenkt hat, die man in diesem Alter bekommen kann, war es für mich gar nicht mehr so irre.

„Deine Grenzen baust du dir!“

Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?

 

Bis jetzt bin ich Noel Cont. Geboren in Hamburg im November des Jahres 1992, wobei es meine Eltern doch recht zeitlich in Richtung Schwerin gezogen hat. Hier bin ich in einem kleinen Dorf aufgewachsen und in Schwerin zur Schule gegangen. Meine Freizeit habe ich dort schon dem Segeln geschenkt und bin in diversen Vereinen Mitglied gewesen. Wie es so kommt, wurde mein Wochenende zunehmend von Regatten eingenommen. Ich bin in diesen jungen Jahren schon mit mir, meinem Boot und meiner Familie durch Mecklenburg-Vorpommern gezogen, um auf der Seenplatte und der Ostsee den anderen das Fürchten zu lehren. Es war aber damals begeisternder für mich die Strecke zu meistern, als im Dreieck mein Gleichgewichtssinn auf die Probe zu stellen. Weg von zu Hause um nachzuschauen, ob es hinter dem Horizont wirklich weiter geht. Deshalb freute ich mich schon früh auf bevorstehende Ferien, in denen von Hafen zu Hafen entlang der Küste gesegelt wurde. Sowohl nach Norwegen, Schweden, Dänemark als auch nach Polen führten meine Wege.

Meine Sportarten änderten sich im Laufe der Zeit. Ich bin nach Düsseldorf gezogen.  Man muss kein großer Geograf sein, um zu wissen, dass segeln in diesem Breitengrad nicht gerade die sportlichste Betätigung ist. Ich habe mich also umgesehen und nahm es als willkommene Bereicherung, etwas Neues auszuprobieren. Meine Wahl traf das Rudern. Das Revier der Rhein. Meine erste Marathon Distanz. Es war etwas ganz anderes in einem Team zu fahren und sich auf die immer wiederholende Bewegung zu konzentrieren. Man lernt seinen Körper kennen. Es klappt nicht mehr seine Schmerzen durch wilde Zweikämpfe mit Adrenalin zu überdecken. Sich selber zu motivieren. Immer weiter zu machen. Die 2000 Bewegung genauso auszuführen wie die Erste.

„Dein Geist ist das schwächste Glied in dir!“

Diese Behauptung musste ich jedoch revidieren, denn nach ein paar Jahren plagte mich ein Gelenkkapselriss. Da war der Wille wohl doch stärker als das Fleisch. Glücklicherweise kam für mich zu diesem Zeitpunkt ein Wendepunkt in meinem Leben. Wieder zurück in den Norden? Meine erste eigene Wohnung in so jungen Jahren, so ganz allein? Ich war mit meiner Realschule fertig und wollte sowieso im Norden studieren. Also wieso nicht schon jetzt? Mein Entschluss stand fest. Auf nach Rostock! Ganz klar!

Von der See aufs Land. In der Evolution hat es Millionen Jahre gedauert. Bei mir nur einen Umzug.

Ein neuer Sport musste her und mein neuer Freundeskreis brachte mich dem Radsport näher. Ich kaufte mir ein Mountainbike und habe ab und zu den einen oder anderen Triathlon mitbestritten.

Meine Liebe zum Rad gedieh in einem der schönsten Radreviere Deutschlands. Immer an der Küste entlang. Die Kilometeranzeige auf Höhenflug. Das Tretlager glühend rot. Mein Herzschlag der reinste Presslufthammer. Doch auch das schönste Revier wird zum Sandkasten, fährt man ihn Tag ein Tag aus.

Nun ist es soweit. Ich habe trainiert. Ich habe die Erfahrung, sowohl auf See als auf dem Land, die größte Distanz zu einer Spazierfahrt werden zu lassen. Ich will meinen Sandkasten verlassen.

Ich will dahin, wo bis jetzt nur mein Finger auf der Landkarte war.

Ich will zum Nordkap!

 

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